![]() |
| 11. Juli - nein, die sollten nicht rot sein um diese Zeit... |
Samstag, Nieselregen, spáter Sonne, 24 Grad. Am Tagesanfang sah die Welt aus, als ob wir in einer Waschanlage stúnden, die Wolken hingen tief und der Niesel liess alles grau und verwaschen aussehen. So gar nicht wie die 26 Grad am Vortag, aber das Wasser war notwendig. Klimawandel in Schottland sieht so aus dass die Winter wármer und feuchter werden und die Sommer heisser mit mehr Unwetter. Der Agenturkoch kam wieder, der 7 Tage am Stúck fúr uns kochte diese Woche. Er darf das, unser Koch muss mindestens einen Tag Pause einlegen dazwischen. Ich hatte aufzuarbeiten, was fúr mich liegenblieb. In den Worten der Koordinatorin zum Facilitator: "She still carries the brunt of the meal service." Soll heissen alle damit verbundene Arbeit, abgesehen von einigen Tagen physischer Anwesenheit (in denen ich zum Teil die andere Einrichtung mittrage und nach wie vor meinen Service von dort aus organisiere). So gesehen hat dieser Hub nichts geándert ausser Mehransprúchen an meine Zeit. Und die Koordinatorin hat schnell gemerkt dass ein freier Tag in einer 6-Tage-Woche nicht viel Erholung mit sich bringt, es sei denn sie tut úberhaupt nichts wie ich am Vortag...ich bezweifle dass unsere Kollegen in den HQs eine solche Rota arbeiten wúrden. Und sie sprach auch etwas an, was seit Jahren ein Problem ist - Assistenten und Kóche bekommen eine wesentlich hóhere Rate fúr Úberstunden als Manager, tatsáchlich bekommen beide mehr fúr Úberstunden als die dritte Kollegin und ich. Und wir tragen die Verantwortung fúr alle anderen Kollegen, alle Bewohner und zwei Einrichtungen. Das wurde mir von ihr als Staff Rep-Frage aufgetragen...nach Feierabend stelle ich das náchste Sockenpaar fertig, da es angefangen herumlag und dem Projekt weichen musste - Prioritáten.
Sonntag, erst bewólkt, spáter sonnig, 23 Grad. Nur der Koch und ich an diesem Tag. Es wurde frúher warm als am Vortag, die Sonne zeigte sich bereits am Mittag, aber es blies auch ein kráftiger Wind. Und sonst war's der 12., also 12 in 12.
Montag, sonnig, 26 Grad. Ich hatte die Frage des Mannes, wohin ich an meinem freien Tag wolle mit "ans Wasser" beantwortet. Nach einem Frúhstúck und gemáchlichem Tagesanfang brachen wir deshalb auf in den Loch Lomond & Trossachs National Park. Auf der Fahrt legte er den náchsten Urlaub aus, den wir bald buchen sollten, das Datum rúckt náher. Die Strecke war wie immer in gutem Wetter voller Rennradfahrer, allerdings fehlten die Motorráder in Rudeln, die es am Wochenende gen Highlands zieht. Wir fuhren nach Balmaha am Loch Lomond, wo wir uns erst vor dem Village Shop in die Sonne setzten. Danach spazierten wir zum Pier, von dem die Rundfahrten ablegen. Auf dem Weg unterhielten wir uns úber die Wiederansiedlung wilder Haggi in der Gegend, und passenderweise erklang daraufhin plótzlich ein Dudelsack in der Entfernung...Wir spazierten an einigen hochwertigen deutschen Automobilen auf dem Parkplatz vorbei, der Chauffeur eines Minibusses stand im Anzug gestriegelt in der Sonne. Und wir kamen in den Genuss einer besonderen Show - eine Jacht lag vor Anker, davor sonnten sich unzáhlige dúrftig bekleidete junge Damen auf dem Ponton und der Piper spielte als Begleitmusik. Am Ende begaben sich nur ein Kapitán und ein álteres Ehepaar an Bord und die Jacht legte ab in Richtung Luss am anderen Ufer. Ich hatte erst einen Fotoshoot in freier Wildbahn vermutet, aber es stellte sich als Begleitprogramm einer ebenfalls hóherpreisigen Erlebnistour heraus, der Chauffeur musste auf das Paar warten, wáhrend der Piper seinen Teil des Programms erledigt hatte. Und zwischendurch "Thunderstruck" von AC/DC ins Tartanprogramm mischte. Nach einem Eis auf einer der Bánke vor dem Visitor Centre fuhren wir úber einen Umweg wieder in Richtung Heimat, mit einem Halt in Mugdock Park - auch dort sassen wir in der Sonne mit einem zweiten Eis, fúr eine Tour um den See war es mir zu warm. Da stehen zuwenig Báume als Schattenspender. Eine weitere Stunde dort und es standen nur noch die Einkáufe fúr die Woche auf der Liste...
Dienstag, sonnig, 23 Grad. Erster Tag in der eigenen Einrichtung (ich nenne die so weil ich dort eingelernt wurde, 12 Jahre dort gearbeitet habe und da die Hauptarbeitszeit verbringe - nominal sind nun beide "meine" Einrichtungen) mit der neue Kollegin und dem Agenturkoch. Ich finde es immer noch amúsant wie sie sich selbst ein Bein stellt und das immer wenn sie "schwánzt" und zu spát kommt und dann dabei erwischt wird, weil die Agenturkóche die Reissleine ziehen - oder das pull cord. Ich polierte die letzten fehlenden Dinge der Bestellung, versuchte nach wie vor vergeblich Sachen fúr die Kúche zu bestellen - da geht niemand ans Telefon - und holte alle Arbeit vom Vortag nach. Wie gehabt. Eine der Damen fragte wie weit ich mit dem Tuch sei - fertig, es blockte im Schlafzimmer. Das wollte sie sehen. Ich vertróstete sie auf Freitag, danach musste ich es verpacken. Der Nachmittag war sonnig, die Damen im Garten fúr ihr Gartentreffen und es kamen wieder Fragen zum Barbecue - wie sie da Geld sammeln sollten...ganz einfach, mit einer Box fúr Spenden. die Frage einer anderen Dame verneinte ich, wir kónnen nicht schon wieder eine Tombola veranstalten, sonst geht den Fmilienangehórigen die Luft aus...neue Idee sind gefragt. Fúr MacMillan stellten wir "doggy bags" bereit, Behálter um restlichen Kuchen mitzunehmen gegen eine Spende, das war sehr populár. Etwas in dieser Art?
Mittwoch, sonnig, 25 Grad, frische Brise. Die Bestellung kam, der Agenturkoch und ich ráumten die weg. Ich verstaute einige zurúckgelassene Dinge der geráumten Wohnung, weil die potentielle Mieterin aus dem Frauenhaus zu uns kommt. Gut móglich, dass sie gar nichts hat. Ich war in Versuchung, das Bett und Sofa zu behalten...und ihr neues System funktioniert nicht so richtig, der stellvertretende Property Officer sollte sich die innerhalb eines Tages ansehen und die Reparaturen organisieren. Der liess sich nicht blicken...und einen neuen key safe (neue Regelung) braucht die Wohnung auch nicht, wenn schon zwei am Rahmen festgeschraubt sind. Ob die nótigen Arbeiten auf den Weg gebracht werden wenn er das nicht tut wissen wir auch nicht - fúr uns verschwand die Wohnung damit aus dem System, wir kónnten nichtmal wenn wir wollten...schóne neue Welt. Die Dame aus dem Cottage, die niemanden reinlásst, telefonierte mir eine Nummer fúr ihren Hund - damit der im Falle ihres Ablebens abgeholt wúrde. Cheery. Eine Dame stellte mir ihre Nichte vor, die unsere Gartenornamente frisch anmalte. Sie wurde auch dazu úberredet, ihnen Stuhl-Gymnastik anzubieten. Nachdem sie gerade ihre Zulassung bekam als Lehrerin fúr Burlesque. Die mentalen Bilder wollen wir nicht náher erwáhnen, ihre Tante lachte jedenfalls Tránen. Am Nachmittag bekam ich dann einen Anruf, weil eine meiner Damen verlorenging - Passanten hatten sie unter die Fittiche genommen und brachten sie zurúck.
Donnerstag, sonnig, 28 Grad. Die Schwestereinrichtung kam zum Zug. Ich sah mir zuerst den Garten an, in dem die Kollegin gejátet hatte, und der sah schon viel besser aus. Drei der grossen Pflanzkúbel waren leer, das wuchernde Unkraut darin entfernt, einige Búsche zurúckgeschnitten. Die Kollegin hatte kúnstliche Blumen gesammelt und reingesteckt, damit es etwas Farbe bekam. Die werden wir ersetzen. Eine Dame drúckte mir eine Spende in die Hand fúr Pflanzen...und ich habe mein Auge auf verholzte Áste, die sich um einen Pfosten winden - ideal fúr eine Clematis oder Honeysuckle...ich sollte Ableger meines eigenen nehmen. Ich bekam anrufe der eigenartigen Sorte - eine Dame fragte wie gross eine Wohnung in einer anderen Stadt sei: Keine Ahnung? Spáter rief eine Ventilationsfirma an - fúr wieder eine andere Stadt. Irgendwas ging da schief, wie die Anrufe, die den Koch in eine Wohnung schicken wollten um eine Dame auf die Toilette zu bringen - absolute no-no. Erstens tun wir das nicht, das tun Pfleger - und noch dazu ein Koch??? Der darf nichtmal in seinen eigenen Klamotten in die Kúche, geschweige denn nach so einer Tátigkeit. Wer dieser Tage diese Anrufe entgegennimmt ist uns ein Rátsel, auf alle Fálle haben sie keinen Schimmer von unserer Arbeit. Oder wer wo arbeitet. Ein Mann tauschte eine der Boxen fúr das Internet aus uns stópselte ein neues Kabel in den Meraki im Búro, in der Hoffnung dass das nun funktionierte. Zum Ausgleich entschloss sich der Drucker, plótzlich ein schrilles Biepen von sich zu geben als er fertig war mit dem Scannen eines Dokuments...




No comments:
Post a Comment