Samstag, bedeckt mit Nieselregen, 15 Grad. Die email zeigte mir immer noch eine Lieferfrist vom 9. bis 13. Juli an fúr den benótigten Pailetten-Cone, daher nahm ich mir andere Wolle vor. Das 10. Paar Socken der Sockparade war fertig und vernáht, dem folgte eins das seit vielen Monaten Jahren aufs Vernáhen gewartet hatte und beim Aufráumen eines Klamottenstapels wieder aufgetaucht war - nun ebenfalls tragbar. Úberhaupt sortierte ich bei der Gelegenheit all die Strúmpfe zusammen, die in verschiedenen Schichten weggeráumt waren. Wie úblich hatte ich die Hálfte vergessen. Gegen Mittag zog es den Mann ausser Haus auf der Suche nach einem Cafegetránk. Wir besorgten meine Lunches, mit der Grill-Zugabe von Holzkohle fúr die Arbeit, und er kaufte Múslischalen. Offenbar waren wieder einige zu Bruch gegangen...ich bewahre meine Tassen gesondert auf, aus Grúnden...alle Grobmotoriker hier, die das Geschirr spúlen. Ich weigere mich seit dem ersten Lockdown, als ich als Einzige noch mehr arbeitete als davor und drei Erwachsene daheim darauf warteten, dass ich das nach der Arbeit auch noch tat...nope: It was a hard "no" from me. Der greasy spoon war dem Mann zu voll, er legte einen Umweg úber die Stadt ein und eins der Cafes dort. In dem sass er scheinbar schon am Vorabend, der Mann hinter der Theke begrússte ihn mit einem recht vertrauten Gesprách...so kam die Katze wenigstens zu Futter, sie wurde wieder vergessen beim Discountertrip am Morgen.
Sonntag, regnerisch, 18 Grad. Ich konnte mich nicht entscheiden, welche Restwolle als náchste an der Reihe war und fing drei oder vier an, nur um sie wieder zu ribbeln. Am Ende wurde es doch die hellgraue, die mir von Anfang an ins Auge sprang. Das náchste Paar Socken, falls die Wolle reicht dafúr. Am Mittag brachen wir auf in den Regen und machten uns auf den Weg ins Westend von Glasgow. Dort fand im Kelvingrove Park das Glasgow Mela statt, das - hauptsáchlich indische und pakistanische - Kulturfest (wobei auch andere asiatische Nationen vertreten waren, aber in der Minderheit), das Teil des West End Festivals ist. Wir waren seit vielen Jahren nicht mehr. Frúher, als Tourism India das Ganze sponserte anlásslich der "Incredible India"-Kampagne, erstreckte sich das Mela durch den ganzen Park bis zum Bandstand, mit drei Búhnen und eingeflogenen Tanz- und Musikgruppen gemischt mit "einheimischen" - eine mischte traditionelle indische Instrumente und Trommeln mit Dudelsácken, ein Beweiss dass Dudelsácke zu allem passen :D. An diesem Tag regnete es und das Mela beschránkte sich auf den Hauptplatz rund um den Brunnen im Park, es war hauptsáchlich ein Bazar mit zwei kleineren Búhnen. Auf der Hauptbúhne sang eine Frau - inspiriert von ihrem Guru, wie sie sagte - fúr mich passte das Keyboard nicht dazu...der schien etwas anderes zu spielen. Der Violinist auf der anderen Búhne mischte dagegen gezielt schottische und indische Folkore und das klang als ob es schon immer so musste. Wir stoppten auf dem Rúckweg anschliessend in der Kelvingrove Art Gallery im Cafe und hórten uns die Orgel im Hauptsaal an - ja, das Museum hat auch eine Orgel...das sehen die Schotten nicht so eng :D
Montag, regnerisch, 18 Grad. Die Kollegin rief an und teilte mir mit, dass die dritte Managerin krankgeschrieben sei mit Depression...und HR wolle wissen, ob das mit der Arbeit zu tun habe...wir kónnen uns alle denken dass ihr vergangenes Jahr nicht das rosigste war mit dem Zusammenbruch einer langjáhrigen Beziehung, dem Tod ihrer Oma und nun dem neuen Job, in den sie reingeschwatzt wurde und vor dem ihr graut weil sie davon ausging, dass sie hauptsáchlich in der Schwestereinrichtung arbeiten wúrde. Bin ich froh dass ich nicht in das Hornissennest stechen muss :D Die Kollegin hatte ein wenig Schadenfreude, weil das nun auf die Area Managerin zurúckblást, die sie da reingeschwatzt hatte und der Kollegin Negativitát ankreidete - weil sie nicht weiss dass sie ihr allerhand aus ihrem Privatleben erzáhlt hatte, mit dem sie schon vorher nicht so recht fertig wurde. The straw that broke the camel's back. Dann rief Z von IT an und schickte mich auf die Suche nach Cisco-Boxen an der Wand und liess mich die Wifi-Kabel umstópseln. Zwischendurch streikte auch mein digitales Telefon und ich musste dessen Modem rebooten. Frau tut ja sonst nichts. Die Area Managerin emailte der Kollegin dass sie den Abwesenheitsgrund der Kollegin im System ándern músse, da stúnde Gastrointestinal drin - vermutlich weil sie anfangs von Fleischvergiftung sprach, nicht von Depression...Ich wurde frúher heimgeschickt, damit ich auf dem Umweg nach Hause Geld einzahlen konnte bei der Post. Und daheim wartete der Pailetten-Cone: Juppheidi!
Dienstag, regnerisch, 18 Grad. In der eigenen Einrichtung warteten einige Dinge auf mich. Und der Bericht der Kollegin, die sich am Sonntag unsere wandelnde personality disorder vorgeknópft hatte mit den Worten, dass wir ihr aushelfen wúrden wenn wir Zeit hátten, es aber nicht zu unserem Job gehóre ihren halben Job mitzuerledigen. Und dass nur weil sie gerne alle Kástchen abgehakt habe das nicht bedeute, dass alle anderen das auch tun mússten. Zumal sie auch abhakt was sie deutlich sichtbar nicht getan hatte...und kein Mensch beschwere sich úber all ihre Pausen, in denen sie Servietten und Múllsácke falte. Gegen drei Uhr mittag bekam ich einen Anruf der Kollegin, die mir sagte sie habe gesehen dass ich auf Teams grún sei - ich hátte doch heute frúher Feierabend...und war schon eine Stunde lánger dort als ich musste...hatte ich vergessen. Und bezeichnenderweise war mein erster Gedanke: Gut, mehr Strickzeit. Das Auto war in der Werkstatt (Wie immer: "Nothing wrong with it.") , deshalb nahm ich den Bus. Und eine gute Stunde ging damit flóten, auf den zu warten und damit heimzuzuckeln, aber jedes Bisschen hilft. Ich habe meine dúnnsten Nadeln im Einsatz, aber die Malabrigo ist so hauchzart dass sie selbst mit dem Mitláufer unbedingt geblockt werden muss, bevor ich das Tuch verschenken kann. An dem werkelte ich weiter - so langsam wurde es was.
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| And so it begins... |
Mittwoch, sonnig, 21 Grad. Die eigene Einrichtung, wieder einmal. Diese Woche war die 6-Tage-Woche. Ich erledigte Rechnungen und erste Menúauswahlen, die wieder zurúckkamen. Ausserdem hatte die Kollegin um Telefonnummern gebeten, daher nahm ich unseren Ordner fúr's Community Mapping und schrieb die Telefonnummern ab. Ich textete der Kollegin Nr.2 um zu sehen, ob das Krankenhaus ihr ein Attest geben wúrde, nachdem sie dort seit fúnf Wochen liegt. Wieder einmal war die neue Kollegin sehr wissbedúrftig was das anging - eine hófliche Beschreibung. Die junge Kollegin sprang ein, nun da uns vier Kráfte abhanden gekommen waren. Nachdem den Bewohnern mehr Personal versprochen wurde, nicht weniger. Wir warteten auf die frisch angeheuerte, weil sie auch in die Kúche eingelernt werden kann nachdem sie in einer Restaurantkúche gearbeitet hatte. Die Kochstelle wurde gleich nochmal ausgeschrieben, da sich niemand beworben hat dafúr. Was uns klar war. Die neue Kollegin gab auch allerlei Kommentare zum Besten úber eine Dame im Besonderen, weil die Koordinatorin sie nicht in der Lounge haben wollte bevor die geputzt war - die Lósung war so offensichtlich und simpel dass ich mich nur noch wundern konnte: Dann putzt sie eben diesen Tisch als allererstes wenn sie in die Arbeit kommt...aber Menschen hátten doch ihre Routine fúr den Morgen in der Arbeit...soll heissen: Ich will's nicht tun, nur darúber lástern. Dass der Koch aushilft mit Checks nannte sie eine "undankbare Arbeit" - nachdem die Koordinatorin ihr ausdrúcklich fúr ihre Aushilfe gedankt hatte. Worúber die nun sauer war. Solle sie doch in Rente gehen wenn sie ohnehin nichts tun wolle. *seufz*
Donnerstag, sonnig, 26 Grad. Schwestereinrichtung, der grosse Tag, an dem ein Mann aus seinem Cottage in eine leere Wohnung im Hauptgebáude úbersiedelte weil sein Fussboden herausgerissen werden musste. Er kann nicht gehen, braucht also allerhand Gerát, das auch alles úbersiedeln musste. Die junge Kollegin und ich arbeiteten unsere normalen Jobs ab, bevor das am Nachmittag losging. Und der Mann sass bereits in der Lounge wáhrend der Handyman sein Mobiliar anschleppte ("Von der Wohnung ins Cottage?" Nein, andersrum!), als ich einen Anruf des Homecare Managers bekam dass er nicht in diese Wohnung ziehen kónne, die sei komplett ungeeignet fúr ihn, wer das angeschaut und entschieden habe hátte keine Ahnung vom Job...war eine seiner Managerinnen, aber gut...demnach telefonierte ich durch die Weltgeschichte, scheuchte einen Handwerker auf der zumindest im Cottage seinen Rahmen fúr das Bett abschrauben und in der Wohnung befestigen sollte. Das ging demnach zuerst an das Customer Contact Centre - das mich zurúckrief, weil der Call handler dort (der frúher in der Einrichtung gearbeitet hat!) die Adressen verschusselte - er wollte den Handwerker vom Cottage hier in meine Einrichtung schicken, ins ehemalige Managers-Haus...nein, selbe Einrichtung, vom Cottage in die Wohnung. Dann rief ich die Handwerksfirma an um denen den Key safe code fúr das Cottage zu geben, damit sie reinkamen. Der hatte sich notiert dass der Rahmen von diesem Cottage in "Nr. 1" (=ein anderes Cottage) úbersiedeln solle statt "51", den musste ich auch berichtigen. Als der Handwerker dann kam sagte er sein Job auf dem Handy besage, dass der Rahmen aus der Wohnung ins Cottage úbersiedeln solle...stehen die denn alle auf dem Schlauch? So schwer ist das doch nicht von A nach B...ihnen tat scheinbar die Hitze nicht gut. Ich entliess mich selbst 10 Minuten zu spát in den Feierabend, bevor das noch schlimmer wurde.
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| Der Pailetten-Cone, Lauflánge etwa 1000m |
Freitag, sonnig, 26 Grad. Ein freier Tag mit meiner letzten online-Gruppensitzung. Immerhin bekamen sie nun Finanzierung dafúr, das Programm weiterzufúhren, weil wir unsere Survey dafúr ausgefúllt haben...manchmal nutzt das ja doch etwas. Wir waren die Versuchskaninchen. Davor und danach setzte ich mich an das Tuch, weil es Zeit braucht fúr's Blocken. Je schneller es fertig wurde, desto frúher konnte ich das auf die Matten pinnen. Ich entschied mich, nur einen Strang Malabrigo dafúr zu verstricken, die Lauflánge eines ist 384m, das ist gross genug. Die Schwiegermutter ist kleiner als ich, fúr sie wird das Tuch grósser sein als wenn ich es probiere. Am Mittag war es geschafft, das Stúck landete im Schlafzimmer, festgepinnt. Ob ich es ausdampfe weiss ich noch nicht, das hángt davon ab was mir das Label der Silkpaca sagt (Handwásche, kaltes Wasser, flach trocknen, der Dampf ist demnach aus dem Fenster). Zumal ich die Farbe noch riechen kann, so ganz dezent. Abgesehen vom Meeting war das mein Ruhetag vor dem Wochenende, deshalb tat ich nichts ausser stricken, lesen, duschen und Katze fúttern.





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