Samstag, gelbe Wetterwarnung, windig, Regen, 12 Grad. Schottland bereitete sich auf Boelo vor. Vollmond, Flut am Hóchststand und ein Sturm dazu - wunderbare Kombo...ich sah ein Video von Oban mit Seetang auf der Esplanade, weil die Wellen fast gleich hoch waren wie die Hafenmauer. Ich hatte das Vergnúgen mit dem Agenturkoch, der sich selbst "Mad Da" nennt. Ich hatte bereits Vormeldungen úber ihn, weil er glaubt eine ganze Schiffsmannschaft zu verkóstigen. Soll heissen er macht viel zuviel. Und ich hatte den Schwund der Cupcakes und veganen Kuchen beobachtet, die ganz klar fúr Hallowe'en gestickert waren...er redete sich damit heraus dass wir nichts fúr's Backen hátten - wie zwei Sorten Mehl, sechs Tubs Margarine, Zucker, Kakao, Choc Chips, braunen Zucker, Gewúrzen, Zucker- und Schokostreuseln, Treacle, ...alles in der Speisekammer sofern mann den Blick nicht ausschliesslich auf die fertigen Produkte richtet, die einem das Leben erleichtern weil mann dann nicht selbst backen muss. Von einem Budget haben die noch nie gehórt. Und er kenne meinen Catering Manager, dem er einreden wollte dass er doch ihn direkt buchen solle statt Agentur und damit Geld sparen. Was dem Catering Manager ein Disziplinarverfahren einbráchte weil dann jemand vom Business profitierte weil er ihn kennt...Ich suchte lieber die Fragen fúr das Hallowe'enquiz aus statt ihm zuzuhóren wie er úber die schottische Regierung schimpfte fúr Bauarbeiten auf den Strassen, die die Councils in Auftrag geben und nichts mit der Regierung zu tun haben...
Sonntag, gelbe Wetterwarnung, Sonnenschein und Sprúhregen, Sturmwind, 12 Grad. Die Videos von der Kúste zeigten reissende Báche statt Strassen, die Clyde Estuary hatte die Flutbefestigungen durchbrochen und Inverclyde und Saltcoats úberschwemmt. Alle Fáhren, Schiffe und Boote blieben gedockt sofern sie nicht woandershin gespúlt wurden. Da waren unsere Strassen nicht der Rede wert mit Bláttern und Ásten úberall. Der Mann unkte dass das hoffentlich kein Zeichen dessen sei was in Zukunft kommen werde - da wird er wohl Pech haben. Ich wartete auf die ersten Schotten, die ihr Kanu darauf herumpaddeln und das Beste daraus machen. Da sind sie recht trocken - pardon the pun. Ich sah mir die Vorráte in der Speisekammer an und zog die Tubs heraus, die doppelt gemoppelt waren, soll heissen dasselbe Produkt von verschiedenen Lieferungen beinhalteten. Siehe da, alles vorrátig fúr's Backen 👀 Die diversen leeren scheuchte ich durch den Geschirrspúler. Dabei stellte ich auch fest dass Joghurts nun mit einem "best before"-Datum kommen statt einem "use by". Fúr eine Lebendkultur fand ich das schon immer eigenartig. Damit nicht so viele Lebensmittel weggeworfen werden, schátze ich mal. Mit der Milch ist es dasselbe. Die Rede war davon schon eine ganze Weile, mich úberrascht dass sie das ohne grosses Aufhebens umgesetzt haben. Ich feilte an der Bestellung fúr die kommende Woche, wobei sich wieder zeigte dass "Mad Da" viel zuviel in die Tópfe und Pfannen haut. Von einer ganzen Schachtel mit 24 Chicken kiev von vor zwei Wochen waren nur noch drei úbrig, der Puderzucker (3kg-Túte!) war komplett verschwunden. Offenbar hatte er genug Empire Biscuits fúr ein Bataillon gebacken am ersten Samstag und ans ganze Gebáude verteilt.
Montag, gelbe Wetterwarnung fúr Wind, regnerisch, 14 Grad. Mein freier Tag nach dem Wochenende. Scheinbar waren wir zwischen Stúrmen - zwei lagen hinter uns, ein weiterer wurde in den náchsten zwei Tagen erwartet. Eine der Damen in der Arbeit machte ihre Tochter kirre mit den Fragen úber Ernstfallvorbereitungen, die Westminster im TV anriet, ob wir einen Generator hátten fúr Stromausfálle, genug Lebensmittel auf Vorrat, Gaskocher etc. - ich erwáhnte den grossen Grill im Stauraum und vier Túten Grillkohle...und wenn jemand genug Lebensmittel gebunkert hat fúr drei Tage dann ist das ein Meal Service. Sie legte den Finger auf etwas, was ich schon lange sage: Sollte der Strom ausfallen geht hier gar nichts. Wir hátten etwas Solarstrom, sofern Sonne vorhanden. Was nicht garantiert ist auf einer Insel zwischen Atlantik und Mordsee...(kein Typo). Ich hátte genug Wolle fúr dicke Wolldecken :D Wenn die nicht so langweilig zu stricken wáren. Stattdessen hatte ich die King Cole Firefly in "Dragonfly" in der Hand, also schwarz mit blaugrún-metallischem Schimmer. Mit nur drei Knáueln reichte das nur ein Tuch, ich war nicht schnell genug mit der Bestellung - die geht wie heisse Semmeln. Immerhin war das Tuch eine gute Grósse. Das Muster saugte ich mir wieder aus den Fingern. Der Mann wollte ins Cafe, drei Stádte weiter an diesem Tag und danach zum deutschen Discounter. Dort fanden sich Spátzle - die gingen hier als Weihnachtsgeschenk fúr das Tochterkind durch :D
Dienstag, regnerisch, windig, sonnige Abschnitte, gelbe Wetterwarnung, 14 Grad. In der Arbeit bereitete ich alles fúr das Quiz vor mit den Schulkindern. Da nur der Koch und ich dort waren blieb der gesamte Event an mir hángen, Vorbereitung, Durchfúhrung und Aufráumen. Was tut frau nicht alles...Die vor dem Agenturkoch geretteten Cupcakes gesellten sich zu úbrigem Kuchen und einer angebrochenen Túte Chips aus einer Schachtel mit 36 Packungen, also 9 oder 10, vier Geschmacksrichtungen in derselben Schússel - ein "Monstermash". Dazu etwas Saft und die Kinder waren glúcklich. Sie schlugen sich wacker, einige Fragen mussten die Damen beantworten, aber sie hatten einen guten Nachmittag, wurden verkóstigt und gingen zufrieden heim, 10 minuten vor Abholzeit :D Das Abendessen lieferten wir dieses Mal aus in die Wohnungen. Zwei Familienangehórige wollten mich sprechen, die erste kúndigte die Rúckkehr ihrer Mutter an Mitte November, sie war seit Anfang September im Krankenhaus und in ihrer Erinnerung nun offenbar in ihren 20ern angelangt. Die
Schwiegertochter des Herren teilte mit, dass er in zwei Tagen endlich zu ihnen úbersiedeln werde, sie werden ihn nun selbst mitnehmen im Auto (er ist bettlágrig) auf eine der Inseln. Das zog sich seit Anfang Mai. Der Property Officer wird glúcklich sein wenn er die Schlússel bekommt fúr den Bungalow, den er komplett renovieren will.
Schwiegertochter des Herren teilte mit, dass er in zwei Tagen endlich zu ihnen úbersiedeln werde, sie werden ihn nun selbst mitnehmen im Auto (er ist bettlágrig) auf eine der Inseln. Das zog sich seit Anfang Mai. Der Property Officer wird glúcklich sein wenn er die Schlússel bekommt fúr den Bungalow, den er komplett renovieren will.
Mittwoch, wechselhaft, 14 Grad. Allein mit der Agenturkóchin und der Feststellung dass der Koch innerlich bereits im Urlaub war - er hatte mir nicht mitgeteilt dass das Háhnchen und der Fisch fast verbraucht waren. Ich kámmte demnach die Menús durch und suchte Alternativen...zwei von drei kann ich mit vorhandenen Háhnchenvarianten ersetzen, nur fúr das sweet & sour nachste Woche muss ich welches kaufen. Der Fisch ist weniger dringend, weil wir Weissfisch haben den der Agenturkoch selbst panieren kann. Den ladenden Akku fúr den Staubsauger hatte er an der Steckdose abgeschaltet...weniger gut. Weil úberall Laub und Pinenadeln den Eingang zierten. ich hatte sowieso nicht viel Zeit fúr all das, mir wurde jede Menge anderer Aufgaben um die Ohren gehauen, von Briefen fúr Bewohner úber Updates fúr den Notfalldienst bis Bestellungen fúr Putzmittel fúr zwei Einrichtungen. Ich programmierte ein Pendant, sah Handwerker im Dutzend billiger, sprach mit einer Dame úber die Breite ihrer Wohnungstúren (sie bekommt einen elektrischen Rollstuhl in Úberweite) und mit einer anderen úber ihren Appetit. Sie sagte den Satz, auf den ich seit geraumer Zeit gewartet hatte: "Ich werde wieder hungrig." Sehr gut, da wollten wir hin :D Die Lizenz traf ein und eine der Damen dachte úber einen Weg nach, wie wir dafúr bezahlen kónnten. Da ich das Geld nicht anfassen darf ist das nicht so einfach. Immerhin gaben sie uns Rabatt, das hátte £200.- teurer sein kónnen.
Donnerstag, wechselhaft, 14 Grad. Morgens packte ich unter dem wachsamen Auge der Katze, die es nicht mag wenn diese Reisetaschen auftauchen, nichtmal wenn sie sustainable sind wie meine...zwei Paar Rundstricknadeln und vier Knáuel kamen auch mit, das waren selbstmusternde, die ich noch loswerden wollte. Nebst meinem Slumbar-Kissen fúr das olle Knie. Das und die Elektronik nahmen den meisten Platz ein, bei Klamotten bin ich genúgsam :D Diverse Gerátschaften hingen noch an der Steckdose vor dem Aufbruch. Umdrehen durften wir auch erstmal weil der Mann fragte ob ich Foto-ID dabei habe - von der bis dahin keine Rede war. Den ersten Pitstop legten wir in Stirling ein zwecks Heissgetraenk, den zweiten in Callander weil wir Zeit hatten, den dritten in Killin nachdem ich gesehen hatten, wie hoch all die Fluesse Wasser fuehrten. Die Falls of Dochart waren dann auch am Schaeumen. Lachse sahen wir keine springen, die wurden uns stattdessen als Suppe serviert in einer "Dochart Skink". Bevor wir uns entscheiden mussten ob wir rechts nach Glencoe oder links nach Oban abbogen,hielten wir nochmal in Tyndrum am "Green Wellie Stop", einer Institution fuer Tourbusse, Motorraeder und Autofahrer auf dieser Strecke. Noch nie habe ich den so Motorradlos gesehen...und dann bogen wir links ab weil ich muede war und der Mann keinen Umweg bis fast nach Fort William fahren wollte. Das stand separat an. In Oban wanderten wir durch fast leere Strassen in der Dunkelheit auf dem Weg zum Abendessen im "Cuan Mor". Ich war wieder begeistert von den Objektiven meines Smartphones - selbst in der Nacht wurden die Fotos viel besser als sie auf der Kamera herauskamen...
Freitag, weitgehend trocken mit sonnigen Abschnitten, 14 Grad. Nach einer langen Nacht, in der der Mann einige Essensentscheidungen bereute (er bezichtigte Dochart Skink, aber mir ging es gut) und am fruehen Morgen in der Lounge sass, fuhren wir los in Richtung Fort William. In Benderloch hatte das Cafe geschlossen fuer die Saison, deshalb hielten wir in Columba Bay und fruehstueckten im rosafarbenen Racer Cafe mit Nummernschildern und Motorradteilen an der Wand. Eine eklektische Mischung :D Frisch gestaerkt zogen wir Von dannen ueber die Ballachulish Bridge nach Glencoe. Und da waren sie alle, die Touristen aus aller Welt. Busladungen voll. Ich sah einer zu wie sie den Fotoshoot "Winzig und allein vor maechtiger Bergkulisse" in Szene setzte - weil alle anderen ihr Platz gaben. Welche Massen sich um sie herumschoben blieb aus dem Bild verbannt. Wir legten zwei Pitstops ein, vor den Three Sisters und vor dem Wasserfall des Buchaille Etive Mor. Und danach steuerten wir das Visitor Centre des National Trust for Scotland an, um etwas Geld dort zu lassen fuer den Unterhalt. Ich ueberlegte eine Weile, ob ich einen der Ponchos kaufen oder nur fotografieren sollte, weil ich den ja selber stricken kann. Am Ende kaufte ich einen, da ich mir die Konstruktion naeher ansehen wollte. Die nebelgruene Shetlandwolle kam mir dabei in den Sinn...Auf dem Heimweg hielten wir am Hafen in Oban, ich hatte den Auftrag mir den Kunsthandwerksladen dort anzusehen, weil sie uebrige Wolle verkaufen. Handgefaerbte Maulbeerseide in Sunset- Farben nahm ich mit. Teuer war sie natuerlich, das konnte gar nicht anders sein, aber schoen. Der Mann legte es gleich wieder darauf an, Prawn cocktail von der Seafood Shack am Hafen als Snack zwischendurch - die Jakobsmuschel, in der der serviert wurden, nahm ich mit heim....Das Abendessen kam aus der "Poppety Ping", courtesy of Cuan Mor vom Vorabend weil die Portion gross war.
Nach dem Kaffee erkunden wir etwas, das uns neu ist hier an der Westkueste.
























































