Samstag, sonnig, 20 Grad. An diesem Tag planten die Kinder einen Besuch auf dem Hausberg - ein Besuch ohne waere keiner. Geht mir ja genauso, mein Opa schleppte mich mit 4 schon da hoch, aber letztes Jahr schafften wir es nicht zwischen dem Knie und den Umstaenden des Trips. Nach dem Tag im Museum wusste ich auch noch nicht wie das Gelenk das wegstecken wuerde. Tochterkind war wieder 5 Jahre alt dort oben, sie kletterte auf Baumstaemmen und rannte Wege rauf und runter. A wachte ueber sie, waehrend der Mann in seiner eigenen Welt voranschritt...A lachte. Das autistische Gehirn findet seine Eigenheiten sehr unterhaltsam. Vor der Waldschaenke sassen wir im Biergarten unter den Zeltdaechern mit Spaetzle mit und ohne Sosse, zur Freude des Tochterkindes. A probierte sich durch die deutschen Biere. Das Knie beschwerte sich etwas, trotzdem sahen wir uns die Burgruine an, die von dieser Seite nur ueber eine Bruecke erreichbar ist - die Schlucht darunter tief genug um Hunden das Begehen vergehen zu lassen wenn sie zwischen den Brettern runterschauen. Der Ausblick war es wert. Auch den Aussichtspunkt streiften wir auf dem Rueckweg. Dabei beschallte uns eine Band auf der Buehne weiter unten im Tal, wo ein Oldtimertreffen stattfand - das sind mittlerweile ja selbst Autos aus den 80er Jahren. So kamen wir auch zu einem Open Air Konzert ohne da herumstehen zu muessen. Best of both. Unter den Blattkronen blieb die Temperatur angenehm und A fand Stoeckchen zum Mitnehmen im Koffer. Eine andere Art von Souvenir 😀. Es war der letzte Abend der Beiden, sie wollten Maultaschen essen. Die gibt es ja auch vegan. Tochterkind fragte nach einem Rezept fuer daheim - das haette ich im Buecherregal, ausprobiert und the real deal. Kann ich ihr zukommen lassen 😄
Sonntag, sonnig, 22 Grad. Der Tag begann frueh, der Flughafen rief. Die Kinder wollten mit dem Zug fahren (A liebt Zuege ebenfalls) und dann in die S-Bahn umsteigen zum Flughafen. So standen wir um 8 Uhr morgens auf dem Bahnhof, den ich wie meine Westentasche kenne aus Pendlertagen. So sollte der Tag anfangen, frisch, frueh und sonnig. Wir verabschiedeten die Kinder und auf der Rueckfahrt warf ich einen Blick auf das Wegkreuz meines Urgrossvaters, das meine Oma fuer ihn errichten liess. Wenn ich mir das genauer ueberlege ist meine Familie doch etwas exzentrisch...😁 So aus schottischer Sicht. Keine Ahnung wie A das erlebte. Ich strickte den zweiten Socken mit Kontrastfarben aus der letzten Sorte Wolle. Das war Babywolle und reichte nur fuer ein Paar, schien mir aber die bisher beste Version. Der Mann briet in der Sonne mit Eis und Musik, er bewegte sich nur vom Balkon bis zur Terrasse. Wir warteten auf die kuehleren Stunden um Familie zu besuchen, dort verbrachten wir den Abend. Dieses Mal ohne Gewitterwolken und nur wenig Bitcoin. In einigen Tagen stand da eine Vor-OP an, das Knie - woher meins kommt war gut mitzuverfolgen als wir zeitgleich das Knie reibend dasassen...nur dass 26 Jahre zwischen der anberaumten Korrektur liegen. Bis dahin waere ich bei Nummer 3, liesse ich sie jetzt darauf los.
Montag, sonnig, 25 Grad. Der Mann wollte mit dem "richtigen" Reiseprogramm beginnen: Als erstes stand eine Tour "durch alle Cafes" an, sagte er. Nun da niemand mehr vegane Speisen brauchte. Wobei wir das auch geschafft haetten...Wir fuhren morgens mit dem Bus in die Stadt und wanderten durch die Strassen. Der Mann suchte um 10 Uhr bereits eine Bank im Schatten, dabei war es noch nicht Mal richtig warm. So sassen wir eine Weile auf orangen Kunstobjekten ("Sesseln", die in der Fussgaengerzone verteilt herumstehen) und sahen den Mauerseglern zu, die da in der Kirche aus dem 13. Jahrhundert nisten. Eine Taube trank aus dem Brunnen vor uns und sah mich eine Minute lang erwartungsvoll an, bis ich ihr erklaerte dass ich gerade nichts esse und somit keine Krumen zu picken waren. Der Mann fragte wohin, ich deutete auf das schmale Gaesschen hinter uns - und als er hineinsah kam ein beeindruckt-ueberraschtes "Ohh!", weil er einen klitzekleinen Blick auf das gotische Muenster erhaschte. Da stand er noch nicht Mal davor 😄 Das ist die erste grosse Hallenkirche Sueddeutschlands aus dem Jahre 1320 - 1341. War leider geschlossen, weil es restauriert wird. Die Muensterbauhuette findet sich in illustrer Gesellschaft mit u.a. dem Koelner Dom und Notre Dame de Paris. Die Fenster waren auch von aussen sichtbar, leider sahen wir sie nicht in voller bunter Schoenheit von innen. Daneben stand gleich die naechste Kirche, eine evangelische. Zurueck auf dem Marktplatz suchte er nach einem Tisch in einem der italienischen Eiscafes, waehrend ich den Wollladen ansteuerte. Ich kam an einigen Knaeueln nicht vorbei...Nach seiner dritten Portion Eis (meiner ersten) wollte er heim, weil es nun warm wurde gegen Mittag. Dort legte er sich schlafen, ich verstrickte die ersten zwei Straenge der Baumwolle bevor ich zur Post musste und ein Geschenk kaufen gehen. Das wird hinterlassen, da wir vier Tage vorher wieder heimfliegen.
Dienstag, 15 - 21 Grad, wechselhaft. Am Vorabend kam ein Gewitter vorbei mit Platzregen, morgens regnete es stark. Die Baumwolle ging flott voran, das zweite Paar wurde an einem Tag fertig und das dritte angenadelt. Dazu nahm ich die Reste der ersten beiden Farben. Mein Ziel war, alle Baumwolle zu verstricken damit ich die nicht so transportieren musste. Stattdessen reiste sie in Sockenform 😄 Die ich noch vernaehen musste. Der Nachbar kam vorbei und schraubte die alte Markise ab, die neue lag seit Laengerem im Garten. Die alte knotete er am Balkongelaender fest und ging von dannen auf der Suche nach einem Hilti- Verleih. Sein Plan diktierte unsere Plaene, da sich der Markisenwechsel nun in Etappen entwickelte...fuer den Folgeabend verabredeten wir uns mit der juengsten Tante beim Chinesen. Das Wetter hielt, es wurde etwas sonniger als wir am spaeteren Nachmittag zum Einkauf aufbrachen. Der Mann blieb wieder daheim, er plante scheinbar den Herbsturlaub - ich sage nur Book of Kells. Er hatte sich sich schon fuer den Zeitraum festgelegt, demnach komme ich aus dem Urlaub und buche prompt den naechsten. Soll Schlimmeres geben.
Mittwoch, regnerisch, 15 Grad. Vor dem Wohnzimmerfenster wehten die Riemen der angebundenen Markise im Gewitterwind, wir beobachteten die mit der halben Erwartung dass sie das Balkongelaender mit sich bringen, wenn nicht gar den ganzen Balkon. Der hat angeblich einen Stahltraeger darunter zur Verstaerkung, aber er haengt ein wenig, deshalb ist er mir nicht ganz geheuer...was kann ich sagen, das hatte in dieser Hauszeile einen Praezedent. Darum der Stahltraeger. Dank des Wetters ging es gut voran mit den Socken, mittlerweile schaffte ich ein Paar und fast ein weiteres pro Tag. Bei dem Tempo war das Ziel in Sicht. Der Nachbar kam mit Nicht- Hilti derselben Verwendung, zwei maennliche Familienmitglieder wurden angefordert fuer das Wochenende und es konnte seinen Gang gehen. Das Gockelmobil sollte die Verpflegung stellen. Vor dem Flug...? Etwas riskant. Mit dem Nachbarn kam sein Hund. Der Mann ist ein Hundemensch aber dieser haette ihm die Hand abgebissen. Warum er den extra mitschleppte war die andere Frage. Das Bellen wuerde ich nur in kurzen Perioden ertragen. Mir wurde gesagt dass er das eigentlich nicht tue - aber ich konnte ihn tagtaeglich mitanhoeren durch die Wand.
Donnerstag, wechselhaft, 19 Grad. Der Tag begann feucht, der Regen fiel. Der Nachbar wollte vermessen. Offenbar zog sich das ueber mehrere Tage statt in einem Aufwasch. Immerhin bestand Hoffnung dass es irgendwann erledigt waere. Der Mann hatte scheinbar keine Lust auf eine weitere Begegnung mit diesem speziellen Bello, ihn zog es ins Cafe. Dort begegnete uns etwas Aehnliches in human, ein Paar mit vier Kindern, drei in etwa demselben Alter - eigene/gemischte/ausgeliehene? Keine Ahnung. Die Frau vom Fach lachte sich einen in mir als die mehrmals aeusserst hoeflich deren wildem Gerenne Einhalt gebieten wollten. Er sagte: "Muss ich erst aufstehen, Vinzenz?" Und ich dachte mir, dass er jetzt schon verloren hatte...wusste er nur nicht. Die Kinder kuemmerten sich keinen Deut darum was aus deren Mund kam, sie rannten weiter um die Tische herum. Ein Glueck dass niemand mit vollem Tablett unterwegs war. Und heissem Kaffee. Wir wanderten zu Fuss heim. Ich stellte die restliche Baumwollsocke her, so war die weitgehend verwertet. Und fand einen Weg, ein Galileo Thermometer zu bestellen als Dank an den Nachbarn. In diesem Land per Lastschrift...Grossbritannien waere sprachlos...
Freitag, regnerisch, November. 12 in 12. Und ein Meeting online mit dem Schottischen Gesundheitswesen. Wieder einmal. Dieses Mal mit einer Schlagbohrmaschine und einem leicht psychotischen rumaenischen Bello als Hintergrund, weshalb ich nur die Haelfte verstand. Ich hatte vorbeugend mein Mikrofon abgeschaltet. Egal, ich habe es nicht verpasst, das war die Hauptsache. Das Internet hat sein Gutes wenn es funktioniert. Den online Check-in hatten wir auch auf der to-do-Liste, obwohl wir drei Stunden vor dem Abflug auf dem Flughafen sein mussten fuer die Assistenz. Der zweite Flug scheint nicht voll zu sein, uns wurde ein Upgrade angeboten zur Business Class nach Edinburgh. Macht keinen Unterschied, daher lehnten wir ab. Ich habe ohnehin Prioritaet mit Assistenz. Den Abend verbrachten wir mit Familie, der Mann half die Krankenhaustasche vom Schrank zu holen und wir sahen die Haelfte eines schlechten Westerns...all in a day's work.
Nach dem Kaffee stehen eine Markise, das Gockelmobil, Zug und S-Bahn und zwei Fluege auf dem Plan.




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