![]() |
| Sign of the times - Sirloin Steak in Diebstahlsicherung, Britain 2026 |
Samstag, windig, bedeckt, 20 Grad. Am Morgen sah ich einen missed call auf dem Arbeitshandy von unserem Notrufdienst. Demnach besprach ich mit dem Mann dass er einige Minuten stehenbleiben sollte wenn ich in der Arbeit ankam, damit ich nachschauen konnte ob ich einen Notfall in der Schwestereinrichtung hatte. Das gehórt nun zu unserem Job, ich hátte postwendend dorthin dúsen sollen...wie sich herausstellte war die Feuerwehr an "meiner" Eingangstúr, mit dem Stemmeisen. Die Túr habe nicht funktioniert - als in gar nicht, nichtmal der Pad von innen oder die automatische Auslósung durch den Notfalldienst. Die Tochter einer der Damen musste ums Gebáude und durch die Gartentúr, um nach ihrer Mutter zu sehen. Der Notfalldienst schwafelte etwas von einer Pflegerin, die den key safe an der Einganstúr nicht finden konnte - vermutlich weil wir keinen haben? Die finden sich nur an den Wohnungstúren - was die eigentlich wissen sollten...dieser Tage bekommen wir die seltsamsten Anfragen von denen. Auf alle Fálle war die Feuerwehr zu schnell, ein Ingenieur hatte sich bereits in die Elektronik der Túr eingewáhlt und einen reset durchgefúhrt, aber es war zu spát um den Lóschzug zu stoppen...die warteten auf mein Okay bevor sie abzogen. Es war das zweite Mal in zwei Monaten dass die Túr streikte.
Sonntag, wechselhaft, 22 Grad. Die neue Kollegin reichte ihren Brief einund wird Ende des Monats ehemalige Kollegin. Sie wolle sich auf drei Monate Physio konzentrieren. Ich sagte zu ihr dass sie das jetzt tun muss, solange sie noch etwas hat von ihrer Verrentung - "solange ich noch gehen kann", war ihre Antwort. Die Situation von Kollegin Nr.2 gab ihr zu denken. Ich fúllte den Papierkram aus, der mit sowas einhergeht. Somit ist der Ball am Rollen. Die Bewerberin fúr die Schwestereinrichtung, die erst eine Absage bekam, hat damit eine zweite Chance wenn sie die will. Ihr schickte ich die email dass eine Stelle aufkommen wird. Das wáre wie bestellt wenn es klappen sollte...Ich feilte an der Bestellung, erledigte einige Checks und bezahlte Rechnungen. Und suchte nach Rezepten fúr den Koch, der nun jede Menge Burger aufbrauchen muss nach dem BBQ. Da waren die Hot dogs beliebter. Das ándert sich mit jeder neuen Bewohnergruppe. Aber daraus lásst sich ja allerhand machen, selbst Suppenbeilage (Chilli, Fleischklósse, Meatloaf, Hash, Gemúsefúllung, Bolognese, Eintopf, Nudelauflauf,...). Und dann wunderte ich mich úber einen Arbeiter, der kam um die leere Wohnung zu "putzen" - weil auf dem Jobsheet draufsteht dass die Assistentinnen das putzen sollten. Ich sah mir die Wohnung an nachdem er ging und sah keinen Unterschied zu vorher - nur dass er dafúr £750.- bekommt statt den £40.- fúr die Kollegin, die das getan hátte. Ich schickte dem Property Officer eine entsprechende Email, denn das musste wirklich nicht sein. Was er tat ist mir genauso schleierhaft wie wer den geschickt hat.
![]() |
| Einer der Stevenson-Leuchttúrme rund um Schottland |
Montag, wechselhaft, 23 Grad. Wenn nicht gerade am Wasser. Wir wurden angewiesen uns wetterfest anzuziehen, daher zog ich die Outdoorjacke aus dem Schrank, die nun ein Jahr dort gefristet hatte seit Island. Ende des Monats brauche ich sie wieder. Ich wollte vorher beim deutschen Discounter vorbei, weil der am Vortag wieder Wolle ins Mittelregal geráumt hatte: Sieben Ombre 100g Knáuel nahm ich mit. An sich war die Belohnung fúr den letzten Monat Stashbusting bereits unterwegs - Seide aus Dánemark und Deadstock-Cones aus Italien, aber mit diesem Drop hatte ich nicht gerechnet und da war welche dabei, die sie "Mermaids Tail" getauft haben. Mit einem Muster fúr ein Tuch inklusive - vermutlich wird aus fúnf von sieben mehr Sockerei...Danach ging es auf die Autobahn nach South Queensferry, zum Pier unter der Forth Rail Bridge - das ist die álteste rote. Daneben die Forth Road Bridge aus dem letzten Jahrhundert und dann die Queensferry Crossing aus diesem, drei bedeutende Brúcken aus drei Jahrhunderten, wie der Kommentar auf dem Schiff sagte. Die "Maid of the Forth" schipperte uns unter den Brúcken hindurch zu Inchcolm Island und der Mann sagte dass wir das wiederholen mússten, náchstes Mal ohne Afternoon Tea an Bord aber mit einem 2-Stunden-Aufenthalt auf Inchcolm - denn dort brúten Papageientaucher...wir sahen Robben, Guillemots, Kormorane und Kittiwakes nebst allerlei Mówen, aber keine Papageientaucher. In Island flogen im August bereits die Jungvógel aus. Inchcolm Abbey auf der Insel wáre auch nett anzusehen. Nachdem er unter den Brúcken war wollte der Mann auf dem Heimweg úber eine und nahm die Queensferry Crossing nach Fife fúr den Heimweg und die Kincardine Bridge wieder auf "unsere" Seite.
Dienstag, regnerisch mit Platzregen und Gewitter, 22 Grad. Bewerbungsgesprách fúr eine Kóchin mit dem Catering Manager und der Koordiantorin. Zuerst war der Mann im Gebáude, der die Duschkópfe desinfiziert alle Vierteljahr. Er begann in der Gástewohnung, weil wir dort ab Morgenmitte verschanzt waren. Die Koordinatorin kam, kurz danach der Catering Manager und wir besprachen einige Dinge. Die Bewerberin war sehr nett, wir mochten sie alle auf Anhieb. Der Catering Manager und ich hatten Bedenken úber ihre Erfahrung, aber wir hatten úber die Jahre einige Kóche, die nur daheim gekocht hatten vorher...und die Menús sind immer noch auf die Springerkraft gepeilt, die nur aufwármte...das kann G. auch, da bin ich mir sicher, immerhin hat sie wenigstens in Restaurants gepreppt und fritiert. Die Koordiatorin war ganz scharf auf sie und sie ist ein "Einhorn", wie der Catering Manager das beschrieb - jemand die am Wochenende arbeiten will. Er blieb fúr ein Meeting und ging dann heim fúr das náchste. Die Koordinatorin machte sich auf den Weg nach Hause um den geerbten Jack Russell Gassi zu fúhren und dann in der eigenen Einrichtung zu arbeiten. Der Property Officer kam und nahm die leere Wohnung ab, die ist nun bezugsfertig. Eine Bewohnerin kam mit der Liste der Dinge, die der Gartenclub vorgeschlagen hatte - darunter eine Grotto. Das sind die Háuschen, in denen in GB Kinder Santa Claus besuchen. Der Koch soll Santa Claus spielen und zwei Assistentinnen seine Heinzelfrauen. Sie habe grosse Dekorationen fúr draussen, die sie durch die Wohnungsfenster einstópseln kónnten...
Mittwoch, wechselhaft, 19 Grad. Ich begann den Tag in der eigenen Einrichtung, erledigte was ich konnte und machte mich dann auf den Weg in die andere fúr das Meeting mit dem Facilitator, der Area Managerin und einer Studentin, die als Intern an diesem Projekt arbeitete. Sie waren im "Besenschrank" verschanzt, das ist der Stauraum, den die Koordinatorin sich als zweites Búro einrichten liess. Die Studentin stellte ihre Fragen und wir hatten einen teils heiteren Nachmittag, v.a. als ich andeutete welcher Natur die Stuhlgymnastik der "Babes" ist...der Facilitator war postwendend auf der richtigen Spur nachdem "Lady Marmalade" als Soundtrack erwáhnt wurde. Er wollte wissen wann sie zugange seien damit er die Einrichtung meiden kónne an diesem Tag. Nachdem sie gingen sprachen wir eine ganze Weile úber alles, was da gesagt oder auch nicht gesagt wurde. Die Anteilnahme an der dritten Managerin war gross, Kollegin Nr.2 wurde mit keinem Wort erwáhnt. Die Koordinatorin war verárgert darúber, weil es Kollegin Nr.2 schlechter ginge. Wie schlecht sollte sich herausstellen. Ich wurde zur Post geschickt und dann sollte ich heimgehen. Okay, ich machte mich auf den Weg zur Bushaltestelle und verpasste gerade einen Bus, deshalb holte der Mann mich ab. Ich werkelte ohne grosse Begeisterung an einem Schal weiter (Vogue Knits), dessen Muster "Feathered Faggot" heisst (echt jetzt?!) und das den Schal komplett nach links verzieht...ins Original werden Perlen mit eingeflochten, vielleicht ándert das was, aber wenn blocken nicht hilft ist das reines Stashbusting.
Donnerstag, sonnig, 19 Grad. Der erste Anruf am Morgen bestimmte den Ton - Kollegin Nr.2 starb am Vorbend im Kreis ihrer Familie. Ich bekam die Mitteilung von der ehemaligen Kóchin, die nun als Sekretárin im Glasgow HQ arbeitet. Dieselbe, die nach einem Anruf bei der Kollegin im Krankenhaus das Gesprách abbrach und nicht zurúckrufen konnte weil es ihr (!) zu schlecht ging...keine Ahnung wen sie alles angerufen hatte, die Area Managerin wusste das bereits und eine ehemalige Bewohnerin ebenfalls. Die Koordinatorin hatte die náchste Auseinandersetzung mit der Area Managerin weil sie spitz fragte, warum die Kóchin J. denke dass sie jeden unterrichten músse, das sei nicht ihr Platz. Die Antwort der Area Managerin an mich war ein knapper Satz dass sie traurig die Mitteilung entgegengenommen habe - J. habe sie angerufen. Der Facilitator war dagegen geradezu menschlich in seiner Anteilnahme...was kann ich sagen, manche Menschen (J. zum Beispiel) brauchen einfach Drama in ihrem Leben. Ich habe sie lieber besucht und Zeit mit ihr verbracht. Ich wurde schon wieder heimgeschickt und bescháftigte mich mit Kondolenzkartenkauf und dem geistigen Entwurf der Benachrichtigung der Bewohner. Den Wortlaut brauchte ich am náchsten Morgen angesichts der Geschwindigkeit, mit der sich die Nachricht verbreitete. Mit kráftiger Nachhilfe durch plótzlichen wilden Aktionismus nachdem das alles sinnlos war.
Freitag, sonnig, 19 Grad. Der Mann fragte am Vortag ob ich heute arbeite - klar, der Job muss weiterlaufen, egal was sonst passiert. Ich hatte die neue Kollegin anzurufen, was ich sonst nicht tun wúrde wenn sie nicht arbeitet, aber die beiden waren zur selben Zeit in der selben Schule als Jugendliche. Und dann wurde mein wilder Aktionismus nótig: Ich lócherte den Arbeitgeber úber In-work-benefits, soll heissen ob die Kinder der Kollegin Geld bekámen weil sie als Angestellte mit Arbeitsvertrag starb, nicht nach der Verrentung - soweit schaffte sie es gar nicht...und zwei der drei nach wie vor finanziell unterstútzt wurden von ihr. Das Letzte was ich fúr sie tun kann. Und dann beschámte der Head of Housing die Area Managerin, als er uns eine lange email schickte und klar durchscheinen liess dass er verstand was das in unserem Team anrichtet. Ich telefonierte mit der neuen Kollegin, die komplett schockiert war. Sie hatte am Mittwoch von einer Bekannten erfahren dass Kollegin Nr.2 "End of life Care" erhielt - und nun rief ich mit der Nachricht an. Der Head of Housing hatte HR miteinbezogen in seine email, dass sie uns entgegenkommen sollten wenn wir freinehmen fúr ihre Beerdigung sofern irgend móglich. Ebenso wie die Area Managerin. Die brauchte das vermutlich verdeutlicht. Sie hat es sich in diesem Hub verscherzt. Der Mann holte mich ab, an diesem Freitag hatte ich frúher Schichtende. Der Koch musste das Abendessen nur vorbereiten und liefern da er allein war, er schob eine ruhige Kugel den Rest des Tages. Ich beendete den Schal, alles was automatisch abláuft taxierte mein Hirn nicht zu sehr, ich musste erstmal verdauen dass J. den ehemaligen Chef angerufen hatte um ihn zu benachrichtigen - die Kollegin konnte ihn nicht ab nachdem er sie herablassend als "nur eine Putzfrau" bezeichnet hatte.
Nach dem Kaffee gehe ich Úberstunden arbeiten.




No comments:
Post a Comment