Wednesday, 12 August 2026

12 in 12

 



8 Uhr morgens, es soll heiss werden - 27 Grad ist fúr Schotten bereits eine Hitzewelle. Passenderweise ist es auch der Tag der fast totalen Sonnenfinsternis, das entspricht unserem Gemútszustand nach dem úberraschenden Tod unserer Kollegin. Wir leisten gerade den Spagat zwischen "es muss weitergehen" und "Ich kann nicht glauben, dass sie nicht mehr durch die Túr kommen wird". Ich halte zudem die Dinge, die sie mir beim Besuch in der Klinik gesagt hatte, die niemand sonst wissen muss, nichtmal ihre Kinder. Vor allem ihre Kinder nicht.





Sie weiss von nichts, nur dass der kleine Magen knurrt und die ganze Katze fúr ihren "Stickie" schnurrt, die sind ihr am Liebsten. Dafúr macht sie gar Mánnchen wenn ich den zu hoch halte. Betteln kann sie auch :D Dann klettert sie mit einer Pfote an mir hoch und versucht mit der anderen danach zu "greifen". Mittlerweile liegt sie auf der Fensterbank in der Sonne, zwischen meinen Palmen wie es sich fúr einen Stubentiger gehórt.





Im Laine Shetland-Buch findet sich dieser Schal. Der stach mir sofort ins Auge als ich im Buchladen darin blátterte, denn die Farbe ist fast identisch mit der Wolle, die ich loswerden wollte. Ich verstrickte die nach einem Vogue-Muster, das mir úberhaupt nicht gefállt - es wird geribbelt und dann nehme ich mir stattdessen Shetland-Lace vor, speziell dieses von der Insel Unst. Aber erst muss ich arbeiten gehen. Die Mútze im ersten Bild ist ein "mindless knit", an der stricke ich wáhrend ich mich entscheide welches gróssere Projekt als náchstes an die Reihe kommt.





Denn gestern kamen auch meine Cones an, italiensicher "deadstock", unverbrauchte/úbrige Wolle aus italienischen Webereien. Vorne 100g Lineapiu Kid Silk, hinten 300g Seta Bourette Seide. Die Kid Silk fúhre ich zur Zeit in Socken mit fúr den Winter. Unter unserem Fussboden liegen Schieferfliesen auf Beton, das ist kalt im Winter, selbst in Schottland.





In der Arbeit. Mein Reich fúr den Tag ist das Búro. Obwohl es eine Weile lang danach aussieht als ob ich in die Kúche wechseln wúrde, da die Agentur dem -koch nicht mitgeteilt hatte dass er heute gebucht war. Dabei hatte ich extra nochmal nachgefragt...Menschenskinder...er rief ganz gehetzt an, er sei gleich da. Zum Glúck wohnt er nicht weit weg.





Das zweite Wohnzimmer in der Arbeit, bereit fúr die Bewohner. Es verspricht ein schóner Tag zu werden, den sie gerne draussen an der Luft verbringen. Unsere drei Solarbrunnen plátschern munter vor sich hin und die Sonnenschirme sind aufgespannt.




Die Bestellungen treffen ein. Ich schichte Tetris in den Gefrierschránken und staune mal wieder, was der Koch alles extra bestellt hat. Baps? Statt Brótchen? Wer da den Fehler gemacht hat ist fraglich, sie schicken uns manchmal "Alternativen" zur Bestellung....und ich spúre einer Rúckerstattung eines anderen Lieferanten nach, die lassen das gerne eine Weile liegen und warten ab, ob wir das Geld tatsáchlich zurúckfordern.





Der náchste LKW steht vor der Túr mit einer reklamierten Bestellung - das fehlte letztes Mal und die email wurde stillschweigend ignoriert ob sie das bereits berechnet hatten. Nun haben wir das Produkt, erspart mir die Nachbestellung. Ob wir es tatsáchlich zweimal bezahlt haben ist aus der Rechnung nicht ersichtlich.




 

Der schónste screensaver bisher. IT hat die Zeit reduziert in der der PC nach Inaktivitát auf den screensaver umschaltet, deshalb bekomme ich den heute viel zu sehen. Ich habe eine Personalakte aufzulósen und stelle fest, dass der Name der Kollegin bereits aus dem System verschwand...das lassen sie nicht anbrennen...





Mittagspause, die Tasse war die der Kollegin. Ich unterhalte mich mit einer der Damen, die als Kind in Saskatchuan/Kanada lebte und deren Vater Griechisch und Hebráisch unterrichtete in seiner Gemeinde. Sie leidet an zwei Varianten von Demenz, aber das Haus ihrer Kindheit mit den Ahornparkettbóden und der Fichtenholztreppe sah sie detailliert vor dem inneren Auge. Und wusste wo sie sich verstecken musste um Gespráche úberhóren zu kónnen...





Der Arbeitgeber sorgt sich um unsere Sicht an diesem Tag. Nicht ganz ohne Grund, wenn man das Verhalten der Schotten in der Sonne kennt: "Taps aff" (=Tops off), bis sie krebsrot verbrannt sind. Da liegt es nicht so fern sich um die Bravado zu sorgen, mit der manche Mánner sowas begegnen. Ach, wird schon nicht so schlimm sein...





Am Nachmittag kommt das Kino zu Besuch. Die Damen treffen sich in der Lounge und sehen "Up". Eine brachte die Keksdose mit, wie sich das gehórt fúr einen Film. Ich entwerfe derweil den Newsletter mit der Ankúndigung unseres Fundraisers fúr einen Verein, der Krebskrankenschwestern ausbildet und bescháftigt. Im Gedenken an die Kollegin. 





Wieder daheim und wir warten auf die Sonnenfinsternis. Das Abendessen muss warten. Bis es soweit ist stricke ich schnell die Mútze fertig mit den kúrzesten Rundstricknadeln der Welt...sind wohl fúr Ármel gedacht.



Mehr sammelt auch diesen Monat wieder Caro mit den Kánnchen.

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